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Pornographische Werbung zu wohltätigen Zwecken und Sex mit Behinderung??? Hä?

Also nochmal langsam: Asta Philpot kennen einige von Euch schon, da wir über ihn und seine Projekte auch hier schon berichtet haben, z.B. über den Film „Hasta la vista“. Jetzt hat Asta ein weiteres Projekt namens „Come4“. Auf der Seite ist erstmal ausser eines Trailers nicht viel zu sehen, man muss sich mit seiner Email-Adresse anmelden um mehr zu erfahren.

Pornographie für wohltätige Zwecke

Die Seite produziert bzw. verkauft von Nutzern produzierte Pornographie um wohltätige Zwecke zu unterstützen. Und wohltätige Zwecke bedeutet in diesem Fall: Sexualität für Menschen mit Behinderung zugänglich zu machen, bzw. zu ermöglichen.

Der erste Clip unterstützt die Asta Philpot Foundation, die das Thema „Behinderung und Sexualität“ in die Öffentlichkeit bringt und sich für die Rechte von Menschen mit Behinderung in Bezug auf deren Sexualität einsetzt. Der Clip zeigt Männer und Frauen, mal mehr mal weniger bekleidet, teilweise in Bordellen, während die Stimme von Asta Philpot seine Erfahrung mit Sexualität, speziell mit bezahlter Sexualität – also Prostitution – beschreibt.

Gegen Ende sieht man Asta Philpot selbst im Bild, in seinem elektrischen Rollstuhl. Und er sagt: „Wenn Sie mich oder meine Phantasien nicht mögen, oder denken ich hätte nicht das Recht dazu….können Sie meinen A… küssen“. Danach erfährt man noch kurze Informationen über Asta Philpot und sein Engagement für die sexuelle Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung. Der Clip hat international, z.B. auf Werbemessen und sogar in Cannes für Aufsehen gesorgt.

 

Puff inklusiv.

Am 10. Januar berichtete die Sendung „Menschen – das Magazin“ der Aktion Mensch über Sex mit Behinderung. Dabei wurde unter anderem ein Fotograf bei seiner Arbeit an einem Projekt begleitet, indem er einen Rollstuhlfahrer beim Besuch eines Bordells begleitet und fotografiert.

Der Bericht ist bunt und dennoch unaufgeregt. Er zeigt uns eine Facette behinderter Sexualität. Mir gefällt der Beitrag gerade wegen seines besonnen, nicht reißerischen Blicks auf ein Thema, was mit Skandalen verbunden ist.

Menschen mit Behinderung im Bordell

Die kurze Dokumentation „Im Rollstuhl ins Bordell“

aus der Sendung „Aspekte“  zeigt den Engländer Asta Philpot, der im wahren Leben mit seinen Eltern und zwei weiteren Männern mit Behinderung in ein spanisches Bordell fuhr um dort zum ersten Mal im Leben Sex zu haben. Die original Dokumentation der BBC mit dem Titel „One night only“, die darüber entstanden ist, gibt es in englischer Sprache zum Beispiel hier.

Basierend auf dieser Geschichte ist auch ein toller Kinofilm mit dem Titel „Hast la Vista“ entstanden. Dafür wurde die Story zwar ein wenig verändert, heraus kommt aber dennoch ein toller Film zum Lachen und Weinen!

Asta Philpot ist auch immer noch ein großer Kämpfer für gleiche Rechte, gerade wenn es um Behinderung und Sexualität geht. Wir werden hier sicher immer mal wieder was von ihm berichten. Jetzt

 

 

Sexabled: Disability Uncensored

In der Diskussion um Behinderung wird Sexualität oftmals nicht einmal erwähnt, es existiert nicht. Es wird angenommen, dass behinderte Menschen und Fähigkeiten fehlt, sexuelle Wünsche und Bedürfnisse zu haben. Sieht man das im Zusammenspiel mit Mythen wie „Männer haben einen größeren sexuellen Trieb als Frauen“ werden Frauen, die Sex initiieren zu „schlechte Frauen“. Welche Chance haben behinderte Frauen, nicht nur ihre sexuellen Wünsche auszudrücken sondern in erster Linie überhaupt als legitim und richtig anzuerkennen?

Bei einer Podiumsdiskussion an der Universität von Kalifornien in Berkeley untersucht diese fünfzehnminütige Dokumentation die Selbstwahrnehmung behinderter Menschen als sexuelle Wesen und ihre Erfahrungen.

„Sexabled: Disability Uncensored“ Ist eine fünfzehnminütige preisgekrönte Dokumentation von Amanda Hoffman, Leslie Kenery, David Knoppel und Dan Novakovich. Diese einfühlsame, aufschlussreiche und lustige Dokumentation beleuchtet, dass behinderte Menschen gleichsam sexuelle Wesen sind.

Filmprojekt mit Adina Pintilie

Im April wurde ich von einem internationalen Filmteam besucht, das experimentell filmte, um einen dokumentarischen, künstlerischen Kurzfilm über Behinderung, Körperlichkeit, Sexualität und ähnliche Themen zu drehen. Das Team arbeitet prozessorientiert, also müssen wir beim Drehen noch nicht, was am Ende dabei herauskommen wird.

Die Dreharbeiten im April waren auch nur ein erster Auftrag, um Inspiration zu finden. Die Regisseurin Adina hatte ich im Jahr zuvor auf der X-Plore – ein Festival über die Kunst der Lust – kennen gelernt. Sie sagte, sie sei direkt fasziniert von meinem Umgang mit Körperlichkeit gewesen und sah eine Verbindung zwischen uns, denn sie hatte den Eindruck, dass vieles was mit Sexualität zusammenhängt, bei uns beiden im Kopf stattfindet.

Wir nutzten also die gemeinsamen Tage um ausführlich Ideen auszutauschen und  drehten dabei fast kontinuierlich. Im Focus standen dabei zunächst Interviews zu den genannten Themen: wie ich mit meinem Körper umgehe, wie ich Zärtlichkeit empfinde, wie ich Sexualität und Partnerschaft erlebe und vieles mehr. Alle diese Gespräche haben wir aufgezeichnet.

Bei einem gemeinsamen Ausflug mit der Seilbahn diskutierten wir den spirituellen und philosophischen Aspekt von Sexualität: Stellt euch vor, Gott hat einen Körper – wie ist wohl sein Verhältnis zu ihm? Wenn Gott die Kraft ist, die das Universum erschafft, ist dann nicht das Universum sein Körper und sind wir damit nicht alle Teil von ihm? Erleben wir diesen göttlichen Funken in unserem eigenen Körper? Sollten wir ihn nicht als Tempel betrachten und unsere Sexualität und Lust als sinnliches Ritual? In diesem Verständnis spielt Behinderung dann eine sehr positive Rolle: als Ergänzung der Vielfalt von Körperlichkeit.

Am Abend schauten wir gemeinsam den Post-Porn-Film „Häppchenweise“ auf der großen Leinwand mit meinem Beamer und kommentierten dabei den Film und wie es uns beim Anschauen geht.

Zu guter letzt hatten wir noch ein paar künstlerische Ideen, die wir filmisch umsetzten. Aber diese sollten vorerst geheim bleiben 🙂

Insgesamt war es ein sehr schönes Erlebnis und ich freue mich schon auf eine Fortsetzung.

Nun hat Adina zum ersten Mal Zeit gefunden, das ganze Material zu sichten und hat mir Stills der Aufnahmen geschickt. Die besten Bilder möchte ich schon mal mit euch teilen – als Vorgeschmack auf das, was am Ende dabei herauskommen wird.

Mehr hoffentlich bald.

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Channel 4 Doku: Sex on Wheels

Der britische Privatsender Channel 4 nimmt sich mit einer Dokumentation auch des Themas Sexualität und Behinderung an. Der Bericht bewegt sich an der Grenzlinie zwischen einfühlsam und reißerisch, stellt aber behinderte Menschen immerhin positiv dar. Er begleitet fünf Menschen und zeigt, wie sie ihre Sexualität ausleben.

Lea hat Glasknochen. Sie führt ein erfülltes Leben, auch sexuell. Manchmal haben ihren Partner Angst, sie zu verletzen – aber Lea ermutigt sie: „ich sage schon Bescheid, bevor es gefährlich würde!“ Im Bericht wird sie auf einer Party begleitet, wo sie mit den anderen Gästen flirtet.

John hat eine geistige Behinderung. Für ihn ist es schwierig, eine Partnerin zu finden. Seine Mutter will ihm dabei helfen, seine Jungfräulichkeit zu verlieren – mithilfe eines Escort-Service.

Pete ist Spastiker und hat seine ersten sexuellen Erfahrungen ebenfalls Prostituierten gemacht. Um die Besuche zu finanzieren, hat er den Plan, behinderter Pornostar zu werden. Er trifft sich mit einem Porno-Produzenten um seine Pläne und seine Erfolgswahrscheinlichkeit zu besprechen. Anschließend nimmt dieser ihn mit auf ein Set, wo er bei den Dreharbeiten zu schauen und sich mit anderen Stars über seine Möglichkeiten austauschen kann.

Karl ist querschnittsgelähmt. Vor seinem Unfall war er sehr auf seine körperliche Fitness bedacht und machte viel Sport. Sex hatte er viel und es war wichtig für ihn. Heute fehlt es ihm und er versucht sein Sexualleben zu verbessern, indem er Kurse bei einer Sexualtherapeutin besucht. Er ist sehr auf seine Erektion fixiert und versucht, diese wieder mittels eines Medikaments bekommen zu können. Als das scheitert, trifft er eine „spirituelle Sexualheilerin“, die im anderen Wege der sexuellen Befriedigung zeigen will.

Laura arbeitet als Escort und hat viele Erfahrungen mit behinderten Menschen. Sie berichtet von intensiven intimen, aber auch subtilen Begegnungen. Sie trifft sich mit John zu seinem ersten Date mit einer Frau.

Link zur Ankündigung auf Channel 4: http://www.channel4.com/programmes/sex-on-wheels

 

Küss mich, Frosch

Dass sie sich einmal in einen Schwerstbehinderten verliebt, hätte sich Karin nicht träumen lassen. Karin war viele Jahre verheiratet. Als ihre Ehe in die Brüche geht, beginnt sie abends in der virtuellen Welt nach Gesprächspartnern zu suchen. Nach stumpfen Anmachen und viel bla, bla, bla trifft sie schließlich auf Ferdinand, der sich im Netz Frosch nennt. Fast täglich verabreden sie sich im Chat. Bald entsteht das Bedürfnis, sich persönlich kennenzulernen. Doch dann die Überraschung: Ferdinand, der sympathische Mann, outet sich als Krüppel.

Einer, der nur wenige Finger bewegen kann, dessen Aktionsradius von einem elektrischen Rollstuhl limitiert ist. Dennoch will Karin ihn besuchen. „Seine leuchtenden Augen und seine Lebensfreude haben mich fasziniert“, sagt sie. „Den Rollstuhl habe ich ganz schnell vergessen.“ Sie kommt öfter und nach wenigen Wochen verspürt sie ein Gefühl, das sie nicht für möglich gehalten hätte: Sie hat sich verliebt. Eines Abends passiert das Unvorstellbare: Sie küsst ihn. Es ist der Beginn einer wunderbaren Beziehung. Seit zwölf Jahren sind die beiden ein glückliches Paar.

Zwei Jahre war Ferdinand alt, als er an Kinderlähmung erkrankte. Nur mithilfe einer eisernen Lunge konnte er überleben. Dass er einmal eine normale Partnerschaft leben kann, hat er nicht einmal zu hoffen gewagt. Mit Karin an seiner Seite trotzt der Überlebenskämpfer Ferdi dem Schicksal. Mehr noch: Es gelingt ihm sogar, sich aus der eisernen Lunge zu befreien.

Max Kronawitter hat das ungleiche Paar mit der Kamera begleitet. Entstanden ist eine einfühlsame Dokumentation, die zeigt, dass Liebe ungeahnte Möglichkeiten eröffnet. „Ich fühle mich wie von einer schweren Krankheit geheilt!“, sagt Ferdi lachend. Und Karin ergänzt: „In unserer Beziehung hat Behinderung keinen Platz!“