Archiv der Kategorie: Sexualbegleitung

Sexualbegleiterin für Behinderte: „Ich bin Testpilotin, Vertraute und Wegbegleiterin“

Die Berichterstattung über die Arbeit als Sexualbegleiter/in ist mitunter oft sehr schwierig. Zu erklären, warum eine sexuelle Dienstleistung sich auf Menschen mit Behinderung spezialisiert und wie der Aufgabenbereich sich dabei gestaltet, führt bei mangelnder Recherche und unüberlegten Formulierungen oft zu Irritationen. Aus diesem Grund ist Edith Arnold, selbstständige Sexualbegleiterin aus Hamburg, in die Offensive gegangen und hat bei der Aktion „Stimmen“ der Zeitschrift Brigitte teilgenommen. Um ihre Arbeit, die Situation von Menschen mit körperlich und/oder geistiger Behinderung und ihre Beweggründe eigens zu erklären.

Zum Artikel bei Brigitte.de

„Scarlet Road“ – Eine Sexarbeiterin engagiert sich für die Rechte von Menschen mit Behinderung

Rachel Wotton, eine Sexarbeiterin aus Australien, die sich unter anderem für die Rechte von Sexarbeiter_innen einsetzt, ist eine beeindruckende Frau mit sehr viel Idealismus. Der Film „Scarlet Road“ – den es soweit bekannt bisher leider nur auf Englisch gibt – zeigt Ihr Engagement im Bereich Sexualität und Behinderung.

Sie hat unter anderem die Organisation Touching Base gegründet, die Sexarbeiter_innen und Sexualbegleiter_innen an Menschen mit Behinderung vermittelt. Rachel Wotton ist davon überzeugt, dass Intimität und Berührung für jeden Menschen wichtig ist und sie setzt sich dafür ein, diese Erfahrung nicht zuletzt auch Menschen mit Behinderung zu ermöglichen.

Ein toller und mitreissender Film, und man kann sich nur wünschen, dass Ähnliches auch bald hierzulande möglich sein wird.

Channel 4 Doku: Sex on Wheels

Der britische Privatsender Channel 4 nimmt sich mit einer Dokumentation auch des Themas Sexualität und Behinderung an. Der Bericht bewegt sich an der Grenzlinie zwischen einfühlsam und reißerisch, stellt aber behinderte Menschen immerhin positiv dar. Er begleitet fünf Menschen und zeigt, wie sie ihre Sexualität ausleben.

Lea hat Glasknochen. Sie führt ein erfülltes Leben, auch sexuell. Manchmal haben ihren Partner Angst, sie zu verletzen – aber Lea ermutigt sie: „ich sage schon Bescheid, bevor es gefährlich würde!“ Im Bericht wird sie auf einer Party begleitet, wo sie mit den anderen Gästen flirtet.

John hat eine geistige Behinderung. Für ihn ist es schwierig, eine Partnerin zu finden. Seine Mutter will ihm dabei helfen, seine Jungfräulichkeit zu verlieren – mithilfe eines Escort-Service.

Pete ist Spastiker und hat seine ersten sexuellen Erfahrungen ebenfalls Prostituierten gemacht. Um die Besuche zu finanzieren, hat er den Plan, behinderter Pornostar zu werden. Er trifft sich mit einem Porno-Produzenten um seine Pläne und seine Erfolgswahrscheinlichkeit zu besprechen. Anschließend nimmt dieser ihn mit auf ein Set, wo er bei den Dreharbeiten zu schauen und sich mit anderen Stars über seine Möglichkeiten austauschen kann.

Karl ist querschnittsgelähmt. Vor seinem Unfall war er sehr auf seine körperliche Fitness bedacht und machte viel Sport. Sex hatte er viel und es war wichtig für ihn. Heute fehlt es ihm und er versucht sein Sexualleben zu verbessern, indem er Kurse bei einer Sexualtherapeutin besucht. Er ist sehr auf seine Erektion fixiert und versucht, diese wieder mittels eines Medikaments bekommen zu können. Als das scheitert, trifft er eine „spirituelle Sexualheilerin“, die im anderen Wege der sexuellen Befriedigung zeigen will.

Laura arbeitet als Escort und hat viele Erfahrungen mit behinderten Menschen. Sie berichtet von intensiven intimen, aber auch subtilen Begegnungen. Sie trifft sich mit John zu seinem ersten Date mit einer Frau.

Link zur Ankündigung auf Channel 4: http://www.channel4.com/programmes/sex-on-wheels

 

The Sessions

Anfang 2013 kam The Sessions ins Kino. Ein Film, der sich mit Sexualbegleitung und Surrogatspartnerschaft beschäftigt.

Ich war allerdings nicht so sehr überzeugt von dem Film. Allein die Behinderung ist sehr schlecht gespielt (habe bei einem Polio-Betroffenen in der Form noch nie eine solche Oberarmen-Muskulatur gesehen) und die Charakter vermissten Tiefe. In erster Reihe wurden immer wieder verschiedene Aspekte angesprochen, dann aber nicht ausgeführt. Trotzdem, der Geschichte hat meines Erachtens Potenzial und alles in allem kann man sich den Film schon ansehen. Vielleicht allerdings eher zuhause.

Was ich auch sehr gut gemacht fand, war die Darstellung der Assistenz. Da habe ich mich sehr wieder erkennen können. zum Beispiel bei der Szene, wo es Mark an der Nase juckt und er sich nicht kratzen kann. Oder aber auch beim Vorstellungsgespräch: „haben Sie Erfahrungen?“- „Nein.“ – „Sehr gut!“ – darin können sich die meisten Assistenznehmer (insbesondere im Arbeitgebermodell) sofort wieder erkennen.

Was ich auch gut fand, war, das letzten Endes nicht Sexualassistenz alles war, wobei es geblieben ist. und dass der Film relativ wenig mitleidig war. er zeigt aber auch anschauliche Weise, für was Sexualbegleitung tatsächlich gut sein kann und im Falle von Mark war: das Selbstbewusstsein. Seinen Körper zu erleben und damit Spaß zu haben und Ekstase zu empfinden, macht einen stark. Auch mental.