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Rezension: „(W)hole“ und „Breath(e)“ von Ruth Madison

Als ich eines Nachmittags bei Amazon das Suchwort „wheelchair“ eingab, traf ich überraschend auf Ruth Madisons „(W)hole“. Mit „(W)hole“ und „Breath(e)“ hat die Autorin zwei aufeinander aufbauende Romane geschrieben, deren Thematik in der Literatur bisher vermutlich einzigartig ist. Die Leseprobe zeigte mir sofort, dass ich dieses Buch haben musste. Noch nie habe ich mich mit einer Protagonistin in diesem Maße identifizieren können. Das Buch war schnell bestellt und innerhalb einer schlaflosen Nacht verschlungen.
Die Protagonistin Elizabeth ist eine scheinbar gewöhnliche, eher zurückhaltende Heranwachsende, die ein großes Geheimnis hütet: Körperliche Behinderungen bei Männern sind für sie sexuell erregend. Trotz ihrer daraus erwachsenen Schuldgefühle und fruchtlosen Unterdrückungsversuche ihrer Sexualität sammelt Elizabeth seit ihrer Kindheit Filme und Bilder, auf denen behinderte Männer zu sehen sind und nutzt diese zur Selbstbefriedigung. Als ihr zweimal hintereinander derselbe attraktive Paraplegiker begegnet, tut sie alles dafür, diesen Mann kennen zu lernen, und geht bald darauf ihre erste Beziehung mit ihm ein. Nach rund 200 Seiten der Dramatik und des Selbsthasses kann Elizabeth ihre sexuelle Neigung endlich ohne Schuldgefühle anerkennen.

Während ich im Gegensatz zu Elizabeth nie von Schuldgefühlen geplagt wurde, stimmen meine Sexualität und meine Fantasien in überwältigendem Umfang mit den ihren überein. Ich beneidete die fiktive Person um ihren Freund. Zwar basiert Elizabeth lose auf Ruth Madison selbst, jedoch ist der Roman keineswegs autobiographischer Natur, sondern entspricht den jugendlichen Wunschträumen der Autorin. Es wäre doch auch zu schön, um wahr zu sein! Wer hat schon besonders viele behinderte Männer in seinem Umfeld, die zusätzlich etwa derselben Altersklasse angehören, für einen attrativ und sympathisch sind und auch noch Interessen mit einem teilen? Die Auswahl an Männern für Frauen wie uns ist gering. Mir war klar, dass ich ihn nur online finden würde.

In „Breath(e)“, der Fortsetzung von „(W)hole“, versucht Elizabeth nach Ende ihrer ersten Beziehung, einen neuen behinderten Mann kennen zu lernen. Beim Online-Dating kann sie leider keinerlei Erfolgserlebnisse verbuchen. Da habe ich ganz andere Erfahrungen gemacht, aber vielleicht hatte ich nur unverschämtes Glück.

Ressourcen zum Thema Mancophilie

Behinderung als Fetisch? Wenn Behinderung und Sexualität allgemein schon als Tabu gilt, dann ist das für dieses Thema besonders zutreffend.

Es gibt Menschen mit diesem Fetisch. Das ist Fakt. Und es ist auch überhaupt nicht schlimm. Leider wird es tabuisiert und die Menschen, die einen solchen Fetisch haben damit stigmatisiert. Das finde ich total schade, denn was kann es Schöneres geben, als mit dem Körper geliebt zu werden, den man hat. Mehr noch, er wirkt attraktiv als solcher! Ich liebe meinen Körper. Meine Partnerinnen sollten das auch tun, und ich hab Glück: das tun sie auch 😉

Wer sich zu diesem Thema informieren möchte, findet hier umfassende Informationen:

  • www.mancophilie.de – Seite rund ums Thema Mankophilie, Amelotatismus, Devotismus, inklusive einer Dissertation.
  • devoteegirls.wordpress.com – Blog mit umfangreichen Informationen. Leider etwas veraltet. Es wird nicht mehr gepflegt.
  • www.paradevo.net – umfassende Website mit Texten, Buchempfehlungen und Forum für Devotees. Leider nur auf Englisch. Das Forum hat aber international Mitglieder. Mein absoluter Tipp.
  • www.angelique.at – deutschsprachiges Forum mit Informationen. Leider nicht sehr gut gepflegt und etwas veraltet.