Zwischen Kerzenschein und Atem

Draußen lag die Stadt unter einem dünnen, unentschlossenen Schnee. Nicht genug, um alles zu verdecken, aber genug, um Geräusche zu dämpfen.

Weihnachten hatte diese Eigenschaft: Es machte die Welt leiser, ohne sie unschuldig zu machen.Im Zimmer brannte nur eine kleine Lampe. Warmes Licht, wie man es an Abenden braucht, an denen man nichts erklären will. Vom Fenster her zog ein Hauch von Kälte herein, gerade so viel, dass man die Nähe des anderen deutlicher spürte.

Er wusste, dass Worte jetzt vorsichtig sein mussten.

Zu viel hätte den Moment zerstört. Zu wenig ihn verpasst.„Es ist ruhig heute“, sagte er.

Mehr stellte er nicht fest.

Sie lag nah bei ihm. Der Stoff der Decke, der Geruch von Holz und etwas Süßem aus der Küche — Zimt vielleicht, oder Orangen — all das war da, ohne Bedeutung zu fordern.„Bleib einen Moment hier“, sagte er.

„Nur jetzt. Nicht danach.“

Seine Stimme war ruhig, sachlich, fast wie ein Gedanke, der laut geworden war. Er beschrieb nichts, was man sehen konnte. Nur das, was man merkte, wenn man aufhörte, weiterzugehen.

Die Wärme zwischen ihnen hatte nichts Drängendes.Sie war wie ein Kaminfeuer: nicht spektakulär, aber verlässlich.

„Du musst nichts tun“, sagte er.

„Weihnachten reicht schon als Ausrede.“

Sie atmete langsamer. Oder vielleicht fiel es ihr nur zum ersten Mal auf.

Manchmal, dachte er, ist Nähe nichts anderes als Aufmerksamkeit, die bleibt.

Er sprach noch ein paar Worte. Vereinzelte.

Wie Lichter an einem Baum: nicht viele, aber genau richtig verteilt.

Draußen ging jemand vorbei. Schritte im Schnee. Dann Stille.

Später würde sie sich erinnern — nicht an den Abend, nicht an das Fest, nicht an das Datum.

Sondern an diesen einen Moment, in dem nichts verlangt wurde.

Nicht mehr Nähe. Nicht mehr Intensität. Nur Präsenz.

Und das, wusste er, war vielleicht das Weihnachtlichste von allem.