Archiv der Kategorie: Medien, Blogs und Podcasts

Kampagne „Yo me masturbo“ („Ich masturbiere“)

Ohne Unterstützung gehört mein Körper nicht mir. Sexuelle Hilfe ist ein Recht.

Viele Menschen mit Behinderungen brauchen die Hilfe einer anderen Person, persönliche Assistenz, bei der Erledigung vonrtäglichen Aktivitäten (Hygiene, Aufstehen, zu Bett gehen …). Wenn der Bereich der Sexualität betroffen ist, spricht man von sexuller Assistenz. Über beides bestimmt die unterstützte Person selbst und beides ist ein Grundrecht.

Die Kampagne zeigt sexuelle Assistenz für Menschen mit Behinderungen als Unterstützung für den sexuellen Zugang zum eigenen Körper. Dieser Zugang ermöglicht es, zu erforschen, zu masturbieren oder Sex mit anderen Menschen, die nicht sexuelle Assistent sind, zu haben. Es gibt zwei 40-Sekunden-Videos mit dem Titel „Yo me masturbo“ („Ich masturbiere“).

In den beiden Videos werden Menschen gezeigt, die sich offen dazu bekennen, zu mastubieren, weil sie dadurch zum Beispiel ein besseres Körpergefühl oder mehr Lebensfreude erhalten. Als Kontrast dazu sagt ein behinderter Mensch jeweils am Ende des Films, dass er nicht mastubiert, weil er beziehungsweise sie das ohne Hilfe nicht kann.

Die Kampagne soll sowohl auf den neuen Film “Vivir y otras ficciones” („Leben und andere Fiktionen) des spanischen Filmemachers Jo Sol aufmerksam machen. Dieser ist gerade in Produktion und soll 2016 erscheinen. Eines der Themen des Films ist sexuelle Assistenz.

Ja, Menschen mit Behinderung haben Sex…und vielleicht sollten wir drüber sprechen

Die britische Nachrichtenagentur BBC ist schon lange sehr aktiv in der Berichterstattung rund um das Thema „Behinderung“. Es gibt eine eigene Radioshow mit Podcast zum Download und einem Blog unter dem Titel „Ouch BBC“. Kürzlich gab es einen Bericht zum Thema Sex und Menschen mit Behinderung, den wir hier kurz auf Deutsch zusammenfassen werden. Allen, die der englischen Sprache halbwegs mächtig sind, empfehlen wir alles rund um „Ouch“ – wirklich gut gemacht, von Menschen mit Behinderung – witzig und informativ zugleich!

Ja…Menschen mit Behinderung haben Sex

Darin berichtet unter anderem der 19-jährige Jack über seine Erfahrungen. Er hat eine Hemiplegie, also eine halbseitige Lähmung. Wenn er in Online-Portalen Menschen kennenlernt und seine Behinderung erwähnt brechen einige den Kontakt zu ihm ab, manchmal sogar mit negativen Kommentaren wie „das ist ja eklig“. Er kann darüber meistens lachen, denn, so sagt er selbst: „Ich habe mir eine dicke Haut zugelegt – so bin ich.“

Die 24-jährige Holly (Cerebralparese und Sklerose) sucht ebenfalls nach einem Partner in Online-Börsen. Sie macht die Erfahrung, dass ganz viele Menschen sie nach ihrem Sexleben fragen, oder einfach annehmen, sie wäre sowieso Jungfrau. Von den Menschen die sie kennenlernt behandeln manche ihre Behinderung als Tabu und vermeiden das Thema, nur wenige sprechen mit ihr wie mit einer ganz „normalen“ Person. Viele Menschen machen sich Sorgen, sie könnten Holly beim Sex verletzen oder ihr weh tun, aber das ist nicht der Fall. „Du kannst auch mit Behinderung ganz normal Sex haben“, sagt sie.

Neue Kampagne „End the awkward“ – „Beende die Unsicherheit“

Neue Forschungsergebnisse des Projekts „Scope“ zeigen, dass nur etwa einer von zehn Nichtbehinderten schon einmal ein Date oder eine Beziehung mit einem Menschen mit Behinderung hatte. In ihrem neuen Projekt „End the awkward“ (das heißt soviel wie: Beende die Unsicherheit) versuchen Sie Nichtbehinderten den Umgang mit Menschen mit Behinderung zu erleichtern.

Aber kommen wir nochmal zurück zu Jack. Er hat gerade eine neue Beziehung begonnen und sagt, er fühle sich sehr selbstbewusst und hat keine Probleme, Leute anzusprechen wenn er ausgeht. Seine jetzige Freundin hat er ebenfalls beim Ausgehen kennengelernt. Obwohl der Großteil seiner Erfahrungen positiv ist, hat er auch schon viele negative Kommentare und Bemerkungen hören müssen.

Die Kampagne „End the awkward“ versucht, Nichtbehinderte offener zu machen, auf Menschen mit Behinderung zuzugehen. Ihre Befragung von etwa 2.000 Personen hatte ergeben, dass mehr als die Hälfte der 18- bis 35-Jährigen noch nie ein Gespräch mit einem Menschen mit Behinderung angefangen haben. Drei Viertel der Befragten haben noch nie einen Behinderten zu einem gesellschaftlichen Anlass eingeladen.

Jack sagt, er geht gerne aus. Aber Holly macht eher frustrierende Erfahrungen: „Wenn Du in Clubs und Bars gehst, versuchen die Leute entweder, dich mit ihren behinderten Freunden zu verkuppeln, oder sie sind betrunken und wollen einmal mit dir schlafen, damit sich dich von ihrer Liste streichen können. Auch wenn es frustrierend ist, du musst einfach weitermachen, weiter suchen, oder? Da draussen gibt es für jeden jemanden!“

(Quelle: BBC newsbeat, Amelia Butterly, 5.Oktober 2015)

 

 

Liebe mit Laufmaschen

Jennifer Sonntag ist blinde Sozialpädagogin, Autorin und Moderatorin der „SonntagsFragen“ im MDR-Fernsehen.Sie beschäftigt sich seit Jahren in meiner Arbeit und meinen Büchern mit der Erotikwahrnehmung blinder Menschen/frauen und bemüht sich, dieses „Doppeltabu“ zu brechen. Jetzt stellt sie ihr neues Projekt vor.

Sie hat mit ihrem sehenden Partner gemeinsam das Literatur- und Kunstprojekt „Liebe mit Laufmaschen“ ins Leben gerufen. Die Laufmasche kann dabei durchaus als verstecktes Symbol für Behinderung verstanden werden, sie stellt aber auch immer eine Inspiration dar, denn das vermeintlich „unperfekte“ macht für uns einen Menschen erst erotisch interessant. In ihrem gleichnamigen Buch, eine Sammlung erotischer Kurzgeschichten, hat jeder Protagonist so eine „Laufmasche“, eine Besonderheit im Leben, einen Fetisch, einen inspirierenden Fehler. Dabei stellen wir in ihrem Buch keine Behinderungen vor, es ist also kein Buch über Behinderungen, aber Jennifer Sonntag meint: „Ich habe eben als Blinde, als Autorin mit kleiner Laufmasche, aus meinem Kopfkino heraus geschrieben und somit eröffnet es wieder eine ganz andere Sichtweise. Ich wünsche mir, dass Frauen mit Behinderung als sinnliche Menschen wahrgenommen werden, die erotisch denken, schreiben, handeln und vielleicht sogar nicht behinderte Leser inspirieren.“

In der „Blind-Galerie“ auf der Seite www.Liebe-mit-Laufmaschen.de finden Sie auch die barrierefreien erotischen Zeichnungen, die Jünnifer Sonntag mit ihrem Partner entwickelt hat. Auch hier möchte sie zeigen, dass „blinde Flächen“ viel Raum für Fantasie bieten und man aus seinem Kopf heraus durchaus auch im erotischen Sinne kreativ werden kann.

Links:

Raul Krauthausen über Sexualität und Behinderung auf Youtube

Der Aktivist und Sozialheld hat für den Youtube-Kanal zqnce (gesprochen Sequence) ein Interview zum Thema Sexualität und Behinderungen geben. In der Beschreibung des Videos ist zu lesen:

Im Jahr 2013 erhielt Raul Aguayo-Krauthausen das Bundesverdienstkreuz am Bande für die Gründung des gemeinnützigen Vereins Sozialhelden e.V., der Menschen für gesellschaftliche Probleme sensibilisieren und zum Umdenken bewegen will und bereits zahlreiche soziale Projekte realisiert hat.
Unter dem Titel „Dachdecker wollte ich eh nicht werden – Das Leben aus der Rollstuhlperspektive“ veröffentlichte er im Januar 2014 seine Biographie.

Im Gespräch mit zqnce gibt er persönliche Einblicke in die Themen Sexualität & Behinderung in der Gesellschaft, die Angst vor dem 1. Mal u.v.m.

Sueddeutsche.de: „Beziehungen – eine ganz andere Lust“

Die Süddeutsche widmete sich heute (6. Juni 2015) in ihrer Wochenendausgabe dem Thema Sexualität und Behinderung. Dabei lag der Focus mal nicht wie üblich auf dem Klassiker „Sexualassistenz“, sondern der Autor widmete sich vor allem dem Thema Behinderung als Fetisch. Dazu hatte ich zu Beginn des Jahres ein sehr schönes Gespräch mit ihm. Entsprechend komme ich auch im Artikel vor. Daneben wurde auch Ilse Martin interviewt, die sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigt. Außerdem kommt ein Paar zu Wort, bei dem sie amputiert ist und er ein so genannter „Devotee“. Alles in allem ein sehr schöner Beitrag, der sich mal aus dem Einheitsbrei der deutschen Medien hervortut.

Im Teaser des Beitrags heißt es:

Ihnen fehlt eine Hand oder ein Bein. Darf man Menschen mit Behinderung trotzdem erotisch finden? Wir haben Menschen getroffen, die genau so leben und lieben – und sich deshalb manchmal fragen: Sind wir normal?

Link zum Beitrag auf Sueddeutsche.de: „Beziehungen – eine ganz andere Lust“

SPON: „Sexualität von Behinderten: Doras Erwachen“

Spiegel Online berichtet über den Film „Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern“.

Im Film geht es um die 18-jährige Dora, die von Victoria Schulz gespielt wird. Dora ist ein lebenslustiges, aufgewecktes, geistig behindertes Mädchen. Seit ihre Mutter Kristin (Jenny Schily) hinter dem Rücken von Doras Vater Felix (Urs Jucker) beschlossen hat, die Medikamente abzusetzen, die die junge Frau ruhiggestellt haben, blüht Dora richtig auf, vor allem ihre Sexualität hat sie neuerdings entdeckt. Als sie den zwielichtigen Peter (Lars Eidinger) auf einem Markt erblickt, gefällt dieser ihr auf Anhieb und es dauert nicht lange, bis die beiden miteinander schlafen – ganz zum Missfallen der Mutter, die ohnehin frustriert ist, weil ihr Wunsch nach einem weiteren Kind bisher nicht erfüllt wurde. Doch Dora trifft sich trotz eines Kontaktverbots weiterhin mit Peter. Schon bald wird sie ungeplant schwanger und als ihre Eltern von der Schwangerschaft erfahren, droht die Familie zu zerbrechen…

Eva Thöne, die Autorin bei Spiegel Online schreibt in Rezension: „Vergewaltigung oder einvernehmlicher Geschlechtsakt? Das Erotikdrama ‚Dora‘ über eine geistig Behinderte, die ihre Sexualität entdeckt, hinterfragt klug unsere Vorstellungen von Selbstbestimmung.“ Weiter lobt sie: „Die moralische Sprachlosigkeit in dieser Sequenz steht beispielhaft für alles, was der großartige Film „Dora“ ist. Regisseurin Stina Werenfels, die ein Theaterstück von Lukas Bärfuss verfilmt hat, wirft 90 Minuten lang die Fragen auf, wann Selbstbestimmung anfängt, wem sie gestattet wird und was die Folgen sind, wenn jemand sie so konsequent beansprucht wie Dora.“

Link zum Artikel bei SPON: „Sexualität von Behinderten: Doras Erwachen“

Pornographische Werbung zu wohltätigen Zwecken und Sex mit Behinderung??? Hä?

Also nochmal langsam: Asta Philpot kennen einige von Euch schon, da wir über ihn und seine Projekte auch hier schon berichtet haben, z.B. über den Film „Hasta la vista“. Jetzt hat Asta ein weiteres Projekt namens „Come4“. Auf der Seite ist erstmal ausser eines Trailers nicht viel zu sehen, man muss sich mit seiner Email-Adresse anmelden um mehr zu erfahren.

Pornographie für wohltätige Zwecke

Die Seite produziert bzw. verkauft von Nutzern produzierte Pornographie um wohltätige Zwecke zu unterstützen. Und wohltätige Zwecke bedeutet in diesem Fall: Sexualität für Menschen mit Behinderung zugänglich zu machen, bzw. zu ermöglichen.

Der erste Clip unterstützt die Asta Philpot Foundation, die das Thema „Behinderung und Sexualität“ in die Öffentlichkeit bringt und sich für die Rechte von Menschen mit Behinderung in Bezug auf deren Sexualität einsetzt. Der Clip zeigt Männer und Frauen, mal mehr mal weniger bekleidet, teilweise in Bordellen, während die Stimme von Asta Philpot seine Erfahrung mit Sexualität, speziell mit bezahlter Sexualität – also Prostitution – beschreibt.

Gegen Ende sieht man Asta Philpot selbst im Bild, in seinem elektrischen Rollstuhl. Und er sagt: „Wenn Sie mich oder meine Phantasien nicht mögen, oder denken ich hätte nicht das Recht dazu….können Sie meinen A… küssen“. Danach erfährt man noch kurze Informationen über Asta Philpot und sein Engagement für die sexuelle Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung. Der Clip hat international, z.B. auf Werbemessen und sogar in Cannes für Aufsehen gesorgt.

 

Was sollte ich beim Date mit einer Rollstuhlfahrerin vermeiden?

Tipps für das erste Date mit einer Rollstuhlfahrerin“ ist nur eins von vielen Themen, über die Anastasia Umrik in Ihrem Blog schreibt. Viele kennen Sie sicher schon von einem ihrer zahlreichen Projekte wie z.B. anderStark oder inkluWAS. Wer sie noch nicht kennt, sollte das schleunigst nachholen – schaut doch einfach mal vorbei, zum Beispiel auf ihrem Blog anastasia-umrik.de .

Inklusion, Fashion, Lifestyle und Reisen sind einige der Themen die im Blog behandelt werden. Und ganz aktuell geht es eben um Tipps, was man beim Date mit einer Rollstuhlfahrerin vermeiden sollte. „Wie machst Du Sex?“ ist dabei nur eine von vielen Fragen, die vielleicht erstmal nicht den Einstieg bilden sollten. Neugierig auf mehr? Dann schaut doch mal nach, was Anastasia so zu berichten hat und surft auf ihren Blog – witzige und pointierte Beobachtungen sind Euch sicher!

 

 

 

Kurzfilm „Nimm mich“ auf ARTE

In der Sendung KurzSchluss von ARTE, in der internationale Kurzfilme gezeigt werden, geht es diese Woche um Menschen mit ‪‎Behinderung‬. Ab heute seht ihr den kanadischen Kurzfilm „Nimm mich“ von Anaïs Barbeau-Lavalette und André Turpin.

Seit kurzer Zeit arbeitet Mani als Pfleger in einem Behindertenheim. Dort kümmert er sich um die Bedürfnisse der Bewohner wie etwa die tägliche Körperpflege. Es gehört aber auch zu seinen Aufgaben, die Bewohner im sogenannten „Intimitätszimmer“ zu betreuen, in dem sie Sex haben können. Die Situation und die ihm auferlegten Aufgaben sind ihm mehr als unangenehm, und er bittet um ein Gespräch mit seiner Vorgesetzten…

Während ihrer Recherchen zu einem anderen Filmprojekt stießen die Filmemacher Anaïs Barbeau-Lavalette und André Turpin auf das Pilotprojekt einer Langzeit-Betreuungseinrichtung für Behinderte. Im sogenannten „Intimitätszimmer“ können die Bewohner in einem betreuten Rahmen Sex haben – was ihnen in anderen Einrichtungen oft verwehrt wird.

Der Trailer zum Kurzfilm mutet etwas seltsam an. Gerade der Pfleger in seinem OP-Outfit wirkt für mich sehr steril, auch das ganze Ambiente macht auf mich leider einen etwas kalten Eindruck. Allerdings gibt es nach ersten Augenschein auch sehr erotische Szenen und die beiden Protagonisten sind offenbar tatsächlich behindert. Darüber hinaus ist es allein schon deshalb interessant, weil der Kurzfilm auf einem realen Pilotprojekt basieren. Ich bin auf jeden Fall gespannt.

Link zur Sendung auf ARTE: „Nimm mich“ von Anaïs Barbeau-Lavalette und André Turpin

UPDATË: Inzwischen habe ich den Kurzfilm gesehen und der erste Eindruck aus dem Trailer hat sich bestätigt. Die erotischen Szenen mit den beiden tatsächlich behinderten Protagonisten waren sehr authentisch, Setting und Ambiente aber steril, deprimierend und krankenhausartig – was durchaus gewollt sein kann und auch leider oftmals die Realität in Heimen entspricht. Der Zwiespalt, in dem der Pfleger stärkste wurde auch sehr realistisch rüber gebracht.Was ich nicht ganz schlüssig fand, war, warum die beiden Protagonisten überhaupt Heimbewohner waren. Immerhin schienen sie doch auch in der Lage, ihr Leben mittels persönlicher Assistent selbstbestimmt zu führen. In einer eigenen Wohnung wäre sicherlich auch kein Intimitätszimmer notwendig.

Brigitte.de: „Ist sie deine Krankenschwester?“ „Nein, meine Freundin.“

Shane und Anna sind glücklich verliebt, aber keiner glaubt’s. Schön, dass Brigitte diesen Artikel bringt, auch die tollen Fotos.

Shane Burcaw leidet an Muskelschwund und sitzt im Rollstuhl. Wenn er mit der blonden Anna Reinalda unterwegs ist, hagelt es Kommentare.

An der Wortwahl muss Brigitte vielleicht noch etwas arbeiten, aber inhaltlich ist der Artikel sehr schön geworden und wir begrüßen die Aufnahme eines weiteren Artikels zum Thema Sexualität und Behinderung im Magazin sehr. Vor einigen Monaten hatte Brigitte schon über das Leben und die Arbeit einer Sexualbegleiterin berichtet.

Link zum vollständigen Artikel über Shane und Anna