Podiumsdiskussion zu Sexualität und Behinderung in Leipzig – Teil 1

Vor gut einem Monat war ich eingeladen bei der Cinématèque Leipzig, bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Sexualität und Behinderung teilzunehmen. Zur Eröffnung der Veranstaltung wurde der Film „(K)ein besonderes Bedürfnis – a special need“ gezeigt.

Teilhabe am Leben ist ein Grundrecht aller Menschen und schließt auch das Recht auf selbstbestimmte Sexualität und damit die Realisierung der Bedürfnisse nach Nähe, Zärtlichkeit, Liebe, Sex und gelebter Partnerschaft ein – unabhängig von geistiger bzw. körperlicher Benachteiligung.
Der Dokumentarfilm „(K)ein besonderes Bedürfnis“ geht der Frage nach, ob Sex ein lebbarer Bestandteil der Inklusion ist. Der 29jährige Enea ist Autist*in, lebt in einem Heim und möchte endlich einmal Sex mit einer Frau haben. Seine besten Freund*innen Carlos und Alex begeben sich mit ihm auf eine abenteuerliche Reise durch halb Europa, um ihm seinen Traum zu erfüllen. Was als Expedition startet, an deren Ende der Abschied von Eneas „Jungfräulichkeit“ stehen sollte, entwickelt sich zu einer Reise in seine intimste Gefühlswelt und bringt die drei Freunde dazu, ihre (zunächst einseitigen und homophoben) Ansichten von Liebe, Freundschaft und Freiheit zu überdenken.
Der Film thematisiert vordergründig die sexuelle Assistenz als eine Möglichkeit, Nähe, Zärtlichkeit und Sex zu erleben, am Ende jedoch bleibt der Wunsch nach selbstbestimmter und gelebter Sexualität in einer Liebesbeziehung.

Im Anschluss gab es Podiumsdiskussion mit Stephanie Klee (diplomierte Sozialarbeiter*in, Verwaltungswirt*in und Sexarbeiter*in mit dem Schwerpunkt Sexualassistenz) und mir. Moderator war Peter Thürer, Sozialarbeiter*in und Sexualpädagog*in der AIDS-Hilfe Leipzig e.V.

Die Veranstaltung war Teil der Reihe „Mythos Freiheit: Körper“, in der sich kritisch mit dem Freiheitsbegriff in verschiedenen Kontexten auseinandergesetzt wurde.

Die Diskussion veröffentlichen ist hier als redaktionell überarbeitete, textliche Form in mehreren Teilen. Kommen wir also zum Teil 1:

Peter:

Herzlich willkommen zu unserer Podiumsdiskussion zu unserem Thema Sexualität und Behinderung. Mein Name ist Peter Thürer. Ich bin angestellt hier in Leipzig bei der Aids Hilfe als Sozialarbeiter und von Beruf Sexualpädagoge. Und neben den vielen typischen Dingen die ein Sozialarbeiter halt bei der Aids Hilfe macht – wir klären auf über HIV und andere sexuelle übertragbare Infektionen – arbeite ich auch sexualpädagogisch in Schulen und das hauptsächlich mit männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen an ganz verschiedenen schulischen Einrichtungen. Und auch im Förderschulbereich und Lebesshilfe oder Diakonie in diversen Werkstätten, was meinen Bezug zu dem Thema darstellt.

Aber ich hab ganz interessante Expertinnen hier an meiner Seite die meine und eure Antworten sicherlich gut beantworten können.
Zum einen, zu meiner linken Seite Stefanie Klee. Stefanie kommt aus Berlin und ist Sozialarbeiterin und Sexarbeiterin mit dem Schwerpunkt Sexualassistenz. Sie ist gründete Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen und setzt sich für die natürlichen Rechte von Prostituierten ein. Außerdem macht sie unter anderem unter dem Dach der Deutschen Aidshilfe Fortbildungsveranstaltungen für Prostituierte.

Zu meiner rechten Seite: Christian Bayerlein. Er kommt aus Koblenz, ist freier Software und Webentwickler aber betreibt beispielsweise den Blog Kissability und auch viele Jahre war er eherenamtlicher Behindertenbeauftragter der Stadt Koblenz. Christian setzt sich mit seinem Engagement und mit seinem selbstbestimmten Ausleben seiner Sexualität besonders da für Rechte von Behinderten ein.

Beginnen möchte ich damit nochmal auf den Film einzugehn den wir grade gesehn haben. Und in Bezug zu dem: was denkt ihr beide denn von der ganzen Story? Was haltet ihr davon? Ist es realistisch? Was gabs da an Highlights und besonderen Kritikpunkten?

Christian:

Ich fand den Film sehr nett gemacht. Es war eine schöne Anekdote, eine Beschreibung eines Erlebnisses eines behinderten Menschen.natürlich konnte dabei nicht die komplette Vielfalt des Themas Sexualität und Behinderung beleuchtet werden.aber er war doch sehr beeindruckend – etwas, was ich besonders spannend fand, wardie Geschichte und um die Freundschaft der 3 Männer die im Film erzählt wurde.Freundschaft stellt eben auch Inklusion da. im Film wird gezeigt, dass die Reise für alle Beteiligten viel gebracht hat: nicht nur für den Behinderten Protagonisten, sondern auch für seine beiden Freunde. Aufgefallen sind mir natürlich auch die Szenen in Trebel, weil ich auch schon mal da war. ich kenne die Situation dort also auch, wobei ich bei einem Workshop für Körperbehinderte teilgenommen habe und empfehlen ging es um ein Wochenende für geistig behinderte Menschen. ich finde die Herangehensweise in Trebel teilweise sehr gut, teilweise habe ich aber auch meine Kritik.

Stefanie:

Mir hat der Film gut gefallen, weil er so offen Sexualität gezeigt hat. Ich glaube, das ist ein italienisches Spezifikum, wo die Kultur über Sexualität freier spricht und das haben auch die Freunde untereinander getan. es ist natürlich auch für mich ein Einzelbeispiel. Die beiden Freunde haben dem behinderten Enea verschiedene Möglichkeiten geboten, sexuelle Erfahrungen zu machen,als sie mit ihm zum Straßenstrich gefahren sind – noch in Italien – dann in ein Bordell nach Österreich und schließlich ins ISBB nach Trebel. das ist für mich schon sehr natürlicher Umgang, jemanden sein Wunsch zu erfüllen, egal wo dieser Wunsch denn hingeht. Ich war ganz beglückt, dass ich meine italienischen Freun Pia im Film gesehen habe, die die 3 Freunde beraten hat. Das fand ich ganz entzückend. Ich würde mir tatsächlich wünschen, dass es mehr möglich wird – und ich glaube, das ist wirklich eine Ausnahme, dass es Freundschaften gibt, wo so offen auch über Sexualität gesprochen wird, egal wohin die Sexualität geht.

Peter:

Ich möchte eigentlich ein großes Fragezeichen denn da machen,was an dem „speziellen Bedürfnis“/“special need“ denn so speziell ist. Das Bedürfnis nach Sexualität haben die meisten, wie viele Bedürfnisse auch. es gibt das Bedürfnis nach Essen, schlafen, Trinken und natürlich auch nach Sexualität. ich habe den Film jetzt zum 3. Mal gesehen und mir fallen immer wieder neue Aspekte auf. Ein Aspekt ist Sexualbegleitung. Deswegen die Frage an Stephanie: aktive/passive Sexualbegleitung, Prostitution – gibt es da Unterschiede? Wie siehst du das?

Stefanie:

Eigentlich bin ich gegen den Begriff der Sexualassistenz. Es ist ein Begriff, den ich zwar übernommen habe, aber nur weil er in der Gesellschaft besser aufgenommen wird, positiver bewertet wird und ich darüber auch mein Geld als Prostituierte verdiene. Ich verstehe mich als Prostituierte beziehungsweise als Sexarbeiterin und so arbeite ich auchin Einrichtungen und im Bereich, wo Menschen zum Beispiel behindert oder alt sind. Es geht um pure Sexualität und diese ist ganz vielfältig. Da haben behinderte Menschen auch gar keine anderen Wünsche, andere Vorstellungen. Ich glaube, wir sprechen von Sexualassistenz, weil die Menschen drumherum, also Angehörige, Freunde aber auch Mitarbeiter in Einrichtungen dadurch einfacher mit dem Thema umgehen. auf der anderen Seite sagt Sexualassistenz, man hilft, man ist förderlich und unterstützend und so sehe ich mich auch in meiner Arbeit. wenn ich meinen Kunden etwas Gutes tue, wir uns gemeinsam amüsieren,benötigen sie in der Regelhilfe, weil sie selber nicht ohne weiteres dazu in der Lage wären. Üblicherweise brauchen diese Menschen sogar Unterstützung bei der Kontaktaufnahme mit mir – mich im Internet zu finden, sich über meine Arbeitsbedingungen zu informieren, mich anzurufen und letzten Endes mit mir darüber zu sprechen, was bei dem gemeinsamen Termin passieren soll. das verlangt vom Umfeld teilweise relativ viel Unterstützung. Hier arbeite ich für die Rechte behinderter Menschen. Während der Begegnung ist es meine Aufgabe, nicht nur Sexualität in ihrer Vielfalt zu bieten, sondern auch ein Stück weit feinfühlig und sensibel für die Bedürfnisse des Kunden zu seinund herauszufinden, was gewünscht wird. Im Bordell – ich sage es mal so platt – da heißt es „lecken, ficken, blasen“ oder es gibt unterschiedliche sexuelle Stellungen oder Rollenspiele – oder, oder, oder… aber das ist in meinem beruflichen Kontext nicht so klar. Bei der Frage, wie komme ich zum Ausdruck, muss ich vieles ausprobieren und einfach gucken, wie es denn ankommt.

Peter:

O.k., recht vielen Dank. Christian, welche Erwartungen hättest du denn an Sexualbegleitung? Du bist ja auf Assistenz angewiesen. Welche Wünsche hättest du denn an Sexualbegleitung beziehungsweise an sexuelle Assistenz?

Christian:

Für mich steht das Thema Sexualbegleitung im Moment nicht so eine große Rolle, weil ich an einer Beziehung bin, aber in der Zeit in der ich solo war, habe ich vieles ausprobiert – von Sexualbegleitung bis Prostitution. Ich habe also schon alle Erfahrungen sammeln können. Für mich persönlich hat sich immer mehr herausgestellt, dass ich eigentlich das ganz Normale will- eine Normalisierung von Sexualität wie sie jeder andere auch will. Und wenn das „nur“ das Ausleben des Triebes sein soll – „lecken, ficken, blasen“ wie Du eben so schön gesagt hast – dann soll es eben genau das sein. Leider ist es aber so, dass man in Bordellen auf mit Diskriminierung konfrontiert wird und mit Ablehnung rechnen muss – meistens aus Unkenntnis und Unsicherheit. auf der anderen Seite kann Sexualbegleitung manchmal auch zu sehr in die Richtung „Heititeiti-Sexualität“ gehen. Es gibt Sexualbegleiterinnen, die wollen ein streicheln und liebkosen, vögeln ist aber auch schon wieder Tabu. Das ist aber nichts für mich. Wenn jemand genau das braucht uns sucht, zum Beispiel wenn man ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit hat, dann kann es gut sein. Eine Zeit lang war es das für mich auch. Ich brauchte die Sicherheit, dass es auch wirklich funktioniert und dass ich eben nicht auf Ablehnung stoße. Letzten Endes war mir dieses Setting aber zu „sanft“ und ich habe gemerkt, dass ich nicht zur Zielgruppe für Sexualbegleitung gehöre. Bezogen auf Trebel sehe ich das ähnlich. Das kann für viele Leute oder für eine gewisse Zeit sehr gut sein und immerhin wird dort ja auch mit Empowerment gearbeitet. Auf der anderen Seite sehe ich, dass auch dort wieder eine Sonderwelt aufgebaut wird. Für meinen Geschmack gibt es aber schon genug Segregation. Behinderte Menschen leben oft im Heim, gehen in die Behindertenwerkstatt etc. – jetzt auch noch etwas spezielles für Behinderte in Sachen Sexualität? Bei aller Berechtigung, diese Kritik muss sein.

Peter:

Das finde ich auch so. Sonderwelten sind immer schlecht. Es ist aber auch manchmal schwierig, so selbstbewusst und selbstbestimmt seine Rechte einzufordern. Es gibt dabei auch immer wieder Hindernisse und Hemmnisse.

Stefanie:

Ich kann noch an dich anschließen, Christian. Stichwort Normalität. Ich würde mir tatsächlich wünschen, dass es in jeder Stadt ein Bordell gibt, dass selbstverständlich alle möglichen Gäste empfängt. Auch das wäre ein Stück Normalität. Dafür müsst ihr auch noch viel kämpfen. leider ist das noch sehr wenig. Aber auch Sexualassistenz nicht sehr weit verbreitet. Es gibt vielleicht 15 Sexualassistentinnen in Deutschland. Ich kenne keinen einzigen Mann. Umgekehrt möchte ich aber auch eine Lanze brechen: es gibt sehr viele Sexarbeiterinnen und auch Bordelle, die demgegenüber aufgeschlossen sind, die auch gerne Sex mit diesem Kundenkreis machen.Oftmals fehlt es zwar noch ein Information, aber wahrscheinlich hast du es auch so gemacht, dass du am Telefon schon über deine Bedürfnisse gesprochen hast – welche Art von Achtsamkeit man dir gegenüber bringen muss und welche Art von Normalität Du möchtest. Ich würde sagen, unsere Branche ist lernfähig.

Christian:

Ja gut, ich habe es da von meiner Position vielleicht ein bisschen einfacher, weil ich sehr klar bin und weiß und auch formulieren kann, was ich mir wünsche. Was die Normalität angeht, so hängt das natürlich auch ein bisschen an den Darstellungen in den Medien. Heute Abend hatten wir bis jetzt hauptsächlich das Thema Sexualassistenz und auch in den Medien ist das sehr beliebt momentan. Es ist aber nur ein Ausschnitt aus der Thematik Sexualität und Behinderung. Für mich ist es auch nur eine Brückentechnologie, denn Ziel sollte es natürlich sein, dass behinderte Menschen ganz normal und selbstverständlich Sexualität haben wieder andere auch. Nicht behinderte Menschen haben ganz viele Möglichkeiten, ihre Sexualität zu leben und zu gestalten – sei es in einer Beziehung oder im Puff oder was auch immer – und behinderten Menschen sollten die gleichen Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Dafür ist Inklusion und das Auftauchen in der normalen Gesellschaft notwendig.

Peter:

Wo klemmt es denn? Wo sind die meisten Hindernisse, die an selbstbestimmter Sexualität hindern?

Christian:

Zum einen wären wir dann wieder beim Thema Sonderwelten. Viele behinderte Menschen leben in Einrichtungen. Und Einrichtungen sind Liebestöter. wenn ich in einer Einrichtung lebe, womöglich in einem Zweibettzimmer oder Möglichkeit zur Intimität oder Rückzug, dann verhindert das ganz oft alleine durch die Rahmenbedingungen Sexualität. Aber auch außerhalb von Einrichtungen ist es so, dass das Bild von Behinderung durch althergebrachte Klischees geprägt, durch eine medizinische, mit Defiziten assoziierte Brille. Behinderung wird automatisch geknüpft an Leid und Umstand. Das schreckt natürlich auch ab, sich damit zu beschäftigen. Eine Beziehung einzugehen erfordert aber nun mal, dass die Menschen sich zunächst einmal nähern und sich Freundschaften entwickeln. Hier gibt es die Hemmschuhe schon weit vorher, dass man sich überhaupt begegnen kann. Außerdem haben behinderte Menschen manchmal ein schlechteres Selbstbewusstsein. Die Wahrnehmung oder Erwartung, sowieso keine „abzubekommen“, ist weit verbreitet. Das hat mich im Film übrigens auch wahnsinnig gestört – dieser Satz von Lothar Sandfort, dass der behinderte Protagonist ja nicht zu hohe Ansprüche und Erwartungen haben soll. So eine Frau hätte so viele Angebote, und warum sollte gerade er denn eine solche Frau bekommen? Das ist alles andere als Empowerment. Jemand, der sowieso wenig Erfahrung in Sexualität und wenig Selbstbewusstsein hat, wird damit doch noch mehr geschwächt.

Peter:

Ich erlebe das auch in Leipzig, das sich hier sehr viel entwickelt, aber auch noch sehr viel zu tun ist, damit behinderte Menschen ganz normal im Stadtbild auftauchen, ins Kino etc. gehen können oder Menschen alltäglich bei der Arbeit oder im Alltag kennen lernen können.Stefanie, was äußern denn Menschen mit Behinderungen, die zu dir kommen – wir haben sie den Weg zu dir geschafft?

Stefanie:

Das ist genau das, was ich mir auch wünsche: dass behinderte Menschen selbstständiger sind und auch in einem Umfeld leben, in dem sie als selbstständige Wesen wahrgenommen werden. was ich aber im Moment erleben, ist, dass insbesondere Angehörige eher moralisch zum Thema Sexualität stehen,und sich Eltern zum Beispiel schwer damit tun, ihre Kinder erwachsen werden zu lassen und ihre eigenen Erfahrungen erleben zu lassen. Die Gesellschaft macht das auch nicht leicht. Sexualität ist ein großes Tabuthema.wir lernen weder in der Schule, noch im Alltag, offen darüber zu sprechen. Wenn ich schon sagen „lecken, ficken, blasen“, sehe ich große Münder und sehen es als Gossensprache. Das zeigt mir, es fehlen uns die Worte,damit neutral umzugehen und uns fehlt auch eine gewisse Offenheit. Ich erlebe bei Mitarbeitern in Einrichtungen, aber auch bei älteren eine große Zurückhaltung aber auch eine große Unwissenheit, dass ihre Kinder Sexualität haben können. Zudem müssen wir uns vor Augen halten, dass die Zeiten, wo der Sexualtrieb mit Medikamenten unterdrückt wurde, auch noch nicht so lange her ist. Beziehungsweise mache ich ein Fragezeichen daran, ob das nicht auch heute noch das eine oder andere Mal geschieht, dass andere über den Sexualtrieb entscheiden und ihn unterdrücken. Da wird oftmals nicht gefragt „was spürst du denn?“, „was ist denn mit warm und kalt? Was empfindest du gegenüber der Person? Hast du Schmetterlinge im Bauch?“ Oftmals fehlen uns die Begriffe und wir sollten kreativer mit dem Thema umgehen, oder davor Angst zu haben, dass man in einer Ecke gestellt wird, man würde übergriffig. Wenn man sagt „ich finde dich sympathisch – ich könnte mir vorstellen, mit dir Sex zu haben“- dann muss das ja nicht schlimm sein.es muss auch kein Übergriff sein. Ich glaube, das hat etwas mit unserer Gesellschaft zu tunund meine Wahrnehmung ist, dass wir eher noch einen Rollback haben, dass es noch sexualfeindlicher wird.es werden zwar im Moment viele Filme gezeigt mit dem ThemaBehinderung und Sexualität, was einen aufklärerischen Charakter hat – aber die Bestrebungen in der Gesellschaft, Sexualität aus dem Befreienden, Emanzipatorischen, Spielerischen herauszunehmen, finde ich tragisch. Das ist nicht nur in meinem Bereich als Sexarbeiterinnen so – sie wissen sicherlich, dass es Bestrebungen gibt, Prostitution zu verbieten – aber auch in Schulen, wenn es um Aufklärung und um Schwangerschaftsabbruch geht, ist die Entwicklung sehr bedenklich. Ich glaube trotzdem, man muss daran halten und man muss sich austauschen. Solche Veranstaltungen wie hier sind sehr wichtig – diskutieren und austauschen und… Scheiß drauf, was die Gesellschaft sagt.

SPON: „Sexualität von Behinderten: Doras Erwachen“

Spiegel Online berichtet über den Film „Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern“.

Im Film geht es um die 18-jährige Dora, die von Victoria Schulz gespielt wird. Dora ist ein lebenslustiges, aufgewecktes, geistig behindertes Mädchen. Seit ihre Mutter Kristin (Jenny Schily) hinter dem Rücken von Doras Vater Felix (Urs Jucker) beschlossen hat, die Medikamente abzusetzen, die die junge Frau ruhiggestellt haben, blüht Dora richtig auf, vor allem ihre Sexualität hat sie neuerdings entdeckt. Als sie den zwielichtigen Peter (Lars Eidinger) auf einem Markt erblickt, gefällt dieser ihr auf Anhieb und es dauert nicht lange, bis die beiden miteinander schlafen – ganz zum Missfallen der Mutter, die ohnehin frustriert ist, weil ihr Wunsch nach einem weiteren Kind bisher nicht erfüllt wurde. Doch Dora trifft sich trotz eines Kontaktverbots weiterhin mit Peter. Schon bald wird sie ungeplant schwanger und als ihre Eltern von der Schwangerschaft erfahren, droht die Familie zu zerbrechen…

Eva Thöne, die Autorin bei Spiegel Online schreibt in Rezension: „Vergewaltigung oder einvernehmlicher Geschlechtsakt? Das Erotikdrama ‚Dora‘ über eine geistig Behinderte, die ihre Sexualität entdeckt, hinterfragt klug unsere Vorstellungen von Selbstbestimmung.“ Weiter lobt sie: „Die moralische Sprachlosigkeit in dieser Sequenz steht beispielhaft für alles, was der großartige Film „Dora“ ist. Regisseurin Stina Werenfels, die ein Theaterstück von Lukas Bärfuss verfilmt hat, wirft 90 Minuten lang die Fragen auf, wann Selbstbestimmung anfängt, wem sie gestattet wird und was die Folgen sind, wenn jemand sie so konsequent beansprucht wie Dora.“

Link zum Artikel bei SPON: „Sexualität von Behinderten: Doras Erwachen“

Pornographische Werbung zu wohltätigen Zwecken und Sex mit Behinderung??? Hä?

Also nochmal langsam: Asta Philpot kennen einige von Euch schon, da wir über ihn und seine Projekte auch hier schon berichtet haben, z.B. über den Film „Hasta la vista“. Jetzt hat Asta ein weiteres Projekt namens „Come4“. Auf der Seite ist erstmal ausser eines Trailers nicht viel zu sehen, man muss sich mit seiner Email-Adresse anmelden um mehr zu erfahren.

Pornographie für wohltätige Zwecke

Die Seite produziert bzw. verkauft von Nutzern produzierte Pornographie um wohltätige Zwecke zu unterstützen. Und wohltätige Zwecke bedeutet in diesem Fall: Sexualität für Menschen mit Behinderung zugänglich zu machen, bzw. zu ermöglichen.

Der erste Clip unterstützt die Asta Philpot Foundation, die das Thema „Behinderung und Sexualität“ in die Öffentlichkeit bringt und sich für die Rechte von Menschen mit Behinderung in Bezug auf deren Sexualität einsetzt. Der Clip zeigt Männer und Frauen, mal mehr mal weniger bekleidet, teilweise in Bordellen, während die Stimme von Asta Philpot seine Erfahrung mit Sexualität, speziell mit bezahlter Sexualität – also Prostitution – beschreibt.

Gegen Ende sieht man Asta Philpot selbst im Bild, in seinem elektrischen Rollstuhl. Und er sagt: „Wenn Sie mich oder meine Phantasien nicht mögen, oder denken ich hätte nicht das Recht dazu….können Sie meinen A… küssen“. Danach erfährt man noch kurze Informationen über Asta Philpot und sein Engagement für die sexuelle Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung. Der Clip hat international, z.B. auf Werbemessen und sogar in Cannes für Aufsehen gesorgt.

 

Was sollte ich beim Date mit einer Rollstuhlfahrerin vermeiden?

Tipps für das erste Date mit einer Rollstuhlfahrerin“ ist nur eins von vielen Themen, über die Anastasia Umrik in Ihrem Blog schreibt. Viele kennen Sie sicher schon von einem ihrer zahlreichen Projekte wie z.B. anderStark oder inkluWAS. Wer sie noch nicht kennt, sollte das schleunigst nachholen – schaut doch einfach mal vorbei, zum Beispiel auf ihrem Blog anastasia-umrik.de .

Inklusion, Fashion, Lifestyle und Reisen sind einige der Themen die im Blog behandelt werden. Und ganz aktuell geht es eben um Tipps, was man beim Date mit einer Rollstuhlfahrerin vermeiden sollte. „Wie machst Du Sex?“ ist dabei nur eine von vielen Fragen, die vielleicht erstmal nicht den Einstieg bilden sollten. Neugierig auf mehr? Dann schaut doch mal nach, was Anastasia so zu berichten hat und surft auf ihren Blog – witzige und pointierte Beobachtungen sind Euch sicher!

 

 

 

Kurzfilm „Nimm mich“ auf ARTE

In der Sendung KurzSchluss von ARTE, in der internationale Kurzfilme gezeigt werden, geht es diese Woche um Menschen mit ‪‎Behinderung‬. Ab heute seht ihr den kanadischen Kurzfilm „Nimm mich“ von Anaïs Barbeau-Lavalette und André Turpin.

Seit kurzer Zeit arbeitet Mani als Pfleger in einem Behindertenheim. Dort kümmert er sich um die Bedürfnisse der Bewohner wie etwa die tägliche Körperpflege. Es gehört aber auch zu seinen Aufgaben, die Bewohner im sogenannten „Intimitätszimmer“ zu betreuen, in dem sie Sex haben können. Die Situation und die ihm auferlegten Aufgaben sind ihm mehr als unangenehm, und er bittet um ein Gespräch mit seiner Vorgesetzten…

Während ihrer Recherchen zu einem anderen Filmprojekt stießen die Filmemacher Anaïs Barbeau-Lavalette und André Turpin auf das Pilotprojekt einer Langzeit-Betreuungseinrichtung für Behinderte. Im sogenannten „Intimitätszimmer“ können die Bewohner in einem betreuten Rahmen Sex haben – was ihnen in anderen Einrichtungen oft verwehrt wird.

Der Trailer zum Kurzfilm mutet etwas seltsam an. Gerade der Pfleger in seinem OP-Outfit wirkt für mich sehr steril, auch das ganze Ambiente macht auf mich leider einen etwas kalten Eindruck. Allerdings gibt es nach ersten Augenschein auch sehr erotische Szenen und die beiden Protagonisten sind offenbar tatsächlich behindert. Darüber hinaus ist es allein schon deshalb interessant, weil der Kurzfilm auf einem realen Pilotprojekt basieren. Ich bin auf jeden Fall gespannt.

Link zur Sendung auf ARTE: „Nimm mich“ von Anaïs Barbeau-Lavalette und André Turpin

UPDATË: Inzwischen habe ich den Kurzfilm gesehen und der erste Eindruck aus dem Trailer hat sich bestätigt. Die erotischen Szenen mit den beiden tatsächlich behinderten Protagonisten waren sehr authentisch, Setting und Ambiente aber steril, deprimierend und krankenhausartig – was durchaus gewollt sein kann und auch leider oftmals die Realität in Heimen entspricht. Der Zwiespalt, in dem der Pfleger stärkste wurde auch sehr realistisch rüber gebracht.Was ich nicht ganz schlüssig fand, war, warum die beiden Protagonisten überhaupt Heimbewohner waren. Immerhin schienen sie doch auch in der Lage, ihr Leben mittels persönlicher Assistent selbstbestimmt zu führen. In einer eigenen Wohnung wäre sicherlich auch kein Intimitätszimmer notwendig.

„einfach katja“: Sex – Kann ich meine persönliche Assistenz um Hilfestellung bitten?

Katja Alekseev und ihr Partner sind aufgrund einer Muskelerkrankung behindert und auf 24-Stunden-Assistenz angewiesen. In einem Blogpost geht Katja der kontroversen Frage nach, ob man beim Sex seine persönliche Assistenz um Hilfestellung bitten darf. Sie schreibt:

Es war ein ganz normaler kuscheliger Pärchenmorgen. Obwohl so ganz normal ist es doch nicht, oder doch? Mein Freund und ich wissen es auch nicht. Eins ist jedoch sicher, es ist nicht normal jemand zu fragen, ob man mich für den Sex “vorbereitet”. Klingt alles komisch? Ich klär euch auf!

Link zum Originalbeitrag: Sex – Kann ich meine persönliche Assistenz um Hilfestellung bitten?

Autoren- und Medienbüro: „Sex ist für Hawking einfacher als für einen Querschnittsgelähmten“

Der Titel mag etwas provokant und vielleicht verkürzt erscheinen, aber der Text ist super geworden. Meine Freundin und ich haben den Film zur Biografie von Steven Hawkings Frau Jane gesehen und Karoline Walter vom Autoren- und Medienbüro ein Interview gegeben. Die Autorin schreibt:

Den Oscar für den besten Hauptdarsteller bekam „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ Ende Februar. Der Film zeigt die Liebe des britischen Physikers Stephen Hawking und seiner langjährigen Ehefrau Jane. Eine seiner Botschaften: Auch mit einer schweren Behinderung kann man ein aktives Sexualleben haben. So wie Christian Bayerlein.

Link zum Originalpost: „Sex ist für Hawking einfacher als für einen Querschnittsgelähmten“

„Ja, ich bin behindert. Ja, ich kann trotzdem heiße Typen treffen“

Wenn Samantha Renke (29 Jahre alt) abends weg geht, hört sie oft Sätze wie „Wenn Du schon mal da unten bist, Süsse…“. Das liegt nicht nur daran dass sie nur etwa 1,20 Meter groß ist, sondern hauptsächlich daran, dass sie im Rollstuhl sitzt. Sie sagt sie kommt aus dem Norden und kann vieles aushalten, aber sie möchte trotzdem wie eine Dame behandelt werden.

Samantha hat die Glasknochenkrankheit, das heißt ihre Knochen brechen sehr leicht und sie ist auf einen Rollstuhl angewiesen. Trotzdem hält sie das nicht davon ab, als Schauspielerin zu arbeiten oder für Wohltätigkeitsorganisationen zu arbeiten. Es heißt auch nicht, dass sie keine Dates und Verabredungen haben oder einen Freund haben kann – egal was die Leute um sie herum denken.

„Die Leute glauben ich könnte keinen Sex haben oder keine Beziehung führen“ erzählt Samantha. „Sie meinen weil ich eine Behinderung habe, bin ich auch geistig nicht ganz auf der Höhe. Manche denken ich trinke keinen Alkohol. – Manche sprechen mich einfach auf der Strasse an und fragen ob ich Sex haben kann. Ich würde niemals jemanden auf der Strasse ansprechen und fragen, was seine Lieblingsstellung beim Sex ist.“

Diese Erfahrungen bedeuten, dass Samantha die Ergebnisse einer neuen Umfrage (aus England) ganz gut nachvollziehen kann. Diese Umfrage hat ergeben, dass ungefähr die Hälfte der Briten noch nie ein Gespräch mit einem Menschen mit Behinderung angefangen hat. Nur 16% haben schon mal einen Menschen mit Behinderung zu sich nach Hause eingeladen, und 67% fühlen sich in der Gegenwart Behinderter komisch, das heißt sie werden panisch oder vermeiden den Kontakt gleich ganz.

Die Zahlen wirkten auf Samantha erst sehr schockierend, aber dann fiel ihr ein, dass sie auch erst mit 13 oder 14 das erste Mal bei einer Freundin zum Übernachten eingeladen war.

Die Umfrage wurde von der Organisation Scope in Auftrag gegeben. Sie ist Teil einer Kampagne mit dem Titel #EndTheAwkward (auf Deutsch etwa: Beendet die Peinlichkeit). Nur fünf Prozent der Menschen hatten jemals ein Date mit einem Menschen mit Behinderung. Obwohl es in England mindestens 9,4 Millionen Menschen mit Behinderung gibt, das sind etwa 18 Prozent  der Bevölkerung.

Jungs wollten mit mir nichts zu tun haben

Samantha findet das erstmal kein Problem, weil nicht jeder schon mal Kontakt zu Behinderten hatte. Aber wenn sich jemand nicht mit einem Mensch mit Behinderung treffen oder verabreden will weil er Vorurteile  hat oder Ignorant ist, und deshalb diese Person zurück weist, ist das schon was, wo man genauer hingucken sollte.

Die Ergebnisse der Umfrage sollen nicht dazu führen, dass Nichtbehinderte ein schlechtes Gewissen bekommen. Ignoranz führt nur zu mehr Ignoranz. Es geht darum Barrieren aufzubrechen!

Bei Samantha hat das dazu geführt, dass sie bisher nur Beziehungen zu Menschen hatte, mit denen sie vorher schon befreundet war, denn dort „waren die Barrieren schon gefallen“. Mit Fremden in einer Bar ist das viel schwieriger.

Als sie mit 18 anfing auszugehen, wurde sie eigentlich nie von Jungs angesprochen, die hatten davor Hemmungen. Sie hat auch schon Dates abgebrochen, wenn die andere Person gar nicht mit ihrer Behinderung umzugehen wußte, oder wenn die jeweilige Bar nicht barrierefrei war – einfach um Peinlichkeiten zu vermeiden.

Wir sind wie jeder andere, ok?

Gleichzeitig hatte sie schon erfüllende Partnerschaften wo die Vorurteile nur von außen kamen. Andere Menschen können sich oft nicht vorstellen, dass jemand der muskulös und attraktiv ist überhaupt mit mir zusammen sein möchte. Aber da geht es nur um deren eigene Unsicherheiten!

Samantha betont, dass der einzige Unterschied zu ihr und jemandem ohne Behinderung nur das äußere Erscheinungsbild ist. „Wir sind wie alle anderen. Wir wollen Dates haben und fühlen uns wahrscheinlich wohler in unserer Haut als viele andere Menschen.“

Worauf sie Wert legt ist, dass sie von ihrem Partner nicht abhängig in irgendeiner Form ist. „Ich habe sehr darum gekämpft unabhängig zu sein, ich möchte einen Partner und keinen Assistenten oder Pfleger. Wenn man eine Beziehung zu einem Behinderten hat, muss man dem nicht zwangsläufig bei allem helfen.“

„Es gibt Dinge, die Nichtbehindert erst zu einem späteren Zeitpunkt in der Beziehung ansprechen, aber wo ich das Gefühl habe ich muss das schnell machen. Ich war immer schon ziemlich selbstbewusst und extrovertiert, aber es hat lang gedauert, bis ich mich mit meiner Behinderung wohlgefühlt habe.“

(Copyright: Telegraph Media Group Limited 2015)

Brigitte.de: „Ist sie deine Krankenschwester?“ „Nein, meine Freundin.“

Shane und Anna sind glücklich verliebt, aber keiner glaubt’s. Schön, dass Brigitte diesen Artikel bringt, auch die tollen Fotos.

Shane Burcaw leidet an Muskelschwund und sitzt im Rollstuhl. Wenn er mit der blonden Anna Reinalda unterwegs ist, hagelt es Kommentare.

An der Wortwahl muss Brigitte vielleicht noch etwas arbeiten, aber inhaltlich ist der Artikel sehr schön geworden und wir begrüßen die Aufnahme eines weiteren Artikels zum Thema Sexualität und Behinderung im Magazin sehr. Vor einigen Monaten hatte Brigitte schon über das Leben und die Arbeit einer Sexualbegleiterin berichtet.

Link zum vollständigen Artikel über Shane und Anna

 

Ignorieren wir die sexuellen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung?

„The Telegraph“, eine Zeitung aus England stellt die Frage, ob wir – also die Gesellschaft – die sexuellen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung ignorieren. Angeregt wurde dieses Thema durch ein neu erschienenes Buch „Supporting Disabled People with their Sexual Lives“. Das Buch richtet sich an Assistenten / Betreuer / Helfer von Menschen mit Behinderung und gibt Ratschläge, wie das Thema „Sexualität und Behinderung“ angesprochen und behandelt werden kann.

Das Buch deckt eine Reihe von Themen ab

Themen des Buches sind unter anderem der Umgang mit körperlichen Grenzen und limitierter Bewegungsfähigkeit oder die Angebote sexueller Assistenz und deren rechtliche Grundlagen (bezogen auf Großbritannien). Das Buch will mit Spaß und Genuss den Weg zum Erleben der eigenen Sexualität erleichtern. Es gibt praktische Tipps zum Thema Selbstbefriedigung, Zufriedenheit mit dem eigenen Körper, Partnersuche und Beziehung.

Das Buch möchte auch mit dem weit verbreiteten Vorurteil aufräumen, dass Menschen mit Behinderung keine Sexualität erleben wollen und können. Dieses Thema wurde unter anderem 2013 im Kinofilm „The Sessions – Wenn Worte berühren“ aufgegriffen.

Der Film basiert auf einer wahren Geschichte, der von Mark O’Brien aus Amerika. Er litt an Polio und war einer der ersten Menschen mit Behinderung, der über seine Erfahrung mit Sexualassistenz bzw. in seinem Fall mit einer Sexualtherapeutin in einem Buch berichtete.

SeS

„The Telegraph“ fragt die Autorin des oben genannten Buches, ob sich denn seit dem Tod von O’Brien im Jahr 1999 der Umgang mit dem Thema „Sexualität und Behinderung“ in unserer Gesellschaft geändert hätte. Die Autorin verneint das und sagt, dass in den 60er Jahren Sex mit Behinderten gar kein großes Thema gewesen wäre, sondern einfach eine von vielen Möglichkeiten, Sex zu haben. Heutzutage, so spricht sie weiter, ginge es mehr um darum, einen Partner oder Partnerin zu finden die erfolgreich ist, viel Geld hat und gut aussieht – offensichtlich, weil man andere Leute damit beeindrucken will. Deshalb also, ist die Einstellung heute vielleicht sogar „schlimmer“ als damals.

Gerade auch im Bereich der Menschen mit Lern- oder geistigen Behinderungen sind Angehörige und Institutionen häufig noch sehr übervorsichtig wenn es um das Thema „Sexualität“ geht. Deshalb, so schließt der Artikel, sei das Buch „Supporting Disabled People with their Sexual Lives“ doch wohl ein guter Schritt in die richtige Richtung.